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Trapizio zum ersten Mal auf öffentlichem Gelände

  08.12.2017

Etwa vier Wochen nachdem Trapizio die Inspektion mit Bravour bestanden hat, steht nun die nächste Etappe an: Das Aufnehmen und Einprogrammieren der Strecke. Momentan realisieren wir erst den oberen Streckenabschnitt der Linie 12, vom Industrieplatz zum Zentrum, sowie die Zufahrt zur Garage auf dem SIG Areal. Der Abschnitt vom Industrieplatz zum Schlössli Wörth kommt später dran.

Aber wir haben doch die Zulassung noch gar nicht und damit auch kein Nummernschild… wie ist das möglich?

Zum einen haben wir einen Sicherheitsdienst engagiert. Zwei Männer der Protectas sorgen dafür, dass sich das Fahrzeug jederzeit in einer gesicherten Zone befindet, indem sie wo nötig den Verkehr aufhalten. Mit der Verwaltungspolizei Neuhausen stimmen wir uns eng ab. Jeden Morgen rapportieren wir unseren Einsatz des Vortages und melden den Tagesplan neu an. Zum anderen haben die Verkehrsbetriebe Schaffhausen, die Trapizio zukünftig betrieben werden, am Fahrzeug temporär eine Garagennummer angebracht.

Jetzt muss Trapizio mit seinen eigenen Sensoren die Strecke abtasten, um eine exakte Karte zu erstellen, auf der er sich fortan zurechtfinden kann. Er orientiert sich anhand von Gebäudekanten, Mauern, Laternen und dergleichen. GPS wäre auch vorhanden, jedoch inmitten von Gebäuden zuwenig genau. Zum Aufnehmen der Karte wird Trapizio von einem Spezialisten des Fahrzeugherstellers Navya mittels Joystick über die Strecke geführt. Dieser übermittelt die eingelesenen Daten zu Navya. Dort werden sie bis am nächsten Morgen verarbeitet und zur Erstellung der Karte genutzt.

Im nächsten Schritt laden wir die Karte ins Fahrzeug und richten darauf die Strecke ein. Zunächst legen wir die genaue Fahrspur fest. Diese soll normalerweise in der Mitte der Fahrbahn sein, damit links und rechts am Fahrbahnrand geparkte Fahrzeuge oder andere Hindernisse Trapizio nicht stören.

Dann bestimmen wir die exakten Haltestellenpositionen. Das ist nicht so einfach, denn Trapizio muss in der Haltebucht ganz zuvorderst anhalten, um die Busse der Linien 1 und 6 möglichst nicht zu behindern. Zuvorderst ist aber die Haltebucht schmal und leicht gekrümmt. Es braucht diverse Tests und laufende Verbesserungen, bis Trapizio genau dort hält, wo wir es möchten.

Schliesslich programmieren wir die Blinker und vor allem auch die erforderlichen Vortrittsregelungen. Auch hierzu sind mehrere Überarbeitungen der Programmierung notwendig. Wenn eine Person am Fahrbahnrand steht, soll Trapizio vorbeifahren. Wenn sie jedoch an einem Fussgängerstreifen steht, soll er anhalten. Nun steht nahe beim Fussgängerstreifen aber manchmal auch eine Strassenlaterne oder eine Stele. Hier darf Trapizio nicht anhalten, sonst würde er ewig stehenbleiben…

Unsere Aktivitäten erzeugen natürlich eine Menge Aufmerksamkeit bei den Passanten. Manch einer zückt sein Handy und hält den Moment für die Ewigkeit fest. Interessierte Fragen versuchen wir zu beantworten, wenn es uns die Zeit erlaubt. Mitfahrwünsche müssen wir leider ablehnen.

Wir sind nun eine ganze Woche lang unzählige Male unsere Strecke abgefahren und haben alle Aspekte immer mehr perfektioniert. Zunächst haben wir nachts gearbeitet, um freie Bahn und gute Sicht auf die Gebäude zu haben. Später kamen uns der Verkehr und die Fussgänger gelegen, um die einprogrammierten Vortrittsregeln zu testen. Zum Abschluss können wir noch einige automatisierte Runden drehen.

Sobald wir die Strassenzulassung erreicht haben, können wir die nächste Etappe starten: Die Integration ins Leitsystem der Verkehrsbetriebe Schaffhausen und damit die Koordination mit den existierenden Linienbussen an der Haltestelle. Doch jetzt schnaufen wir erst einmal durch…

Anfangs arbeiten wir nachts
Die Halteposition stimmt noch nicht ganz
Trapizio perfekt in der Haltebucht positioniert